Reisebericht Vietnam Ho Chi Minh

Tag 50 – Ho Chi Ming

Aussicht auf Ho Chi Minh vom Skydeck

Die größte Stadt Vietnams, Ho Chi Minh, die sowohl von Einheimischen als auch von Touristen oft noch Saigon genannt wird, war mir im ersten Moment eher unsympathisch.
Vielleicht lag es an den vielen Warnungen, die ich schon im Vorfeld erhalten hatte und dann auch nochmal vor Ort im Homestay. Man solle nicht zu viel Bargeld mitführen, nicht mit dem Handy in der Hand herumrennen oder gar Wertsachen auf den Tisch im Restaurant legen. Taschendiebstahl war das Verbrechen Nummer 1, am liebsten direkt vom Motorrad aus. Bei Taxifahrten war sowieso in ganz Vietnam Vorsicht geboten, aber in Ho Chi Ming kamen zusätzlich noch die vielen Motorradfahrer, die sich als Fahrer anbieten und einen dann irgendwo hinbringen.
Ich habe von Natur aus ein Grundvertrauen in die Menschen und laufe immer mit offener Tasche herumläuft und mein Orientierungssinn ist katastrophal, sodass ich selbst in München oft Google Maps benötige, um von A nach B zu finden.

Ich lief zuerst nicht sehr entspannt, mein Handy mit beiden Händen umklammernd, jeden Motorradfahrer verdächtigend durch die Straßen und versuchte trotzdem die Sehenswürdigkeiten einigermaßen zu genießen. Aber so schlimm war es dann gar nicht und ich fand doch noch Gefallen an der sehr vielfältigen und pulsierenden Stadt.

Am ersten Tag klapperte ich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ab, was zu Fuß sehr gut machbar ist.

War Remnants Museum – Das Kriegsopfermuseum

Ich startete mit dem Kriegsopfermuseum. Ausgestellt sind dort Bilder und Gegenstände aus dem Vietnamkrieg, den die Vietnamesen logischerweise Amerikakrieg nennen, und dem ersten Indochinakrieg, an dem die französischen Kolonialisten beteiligt waren. Das Museum hieß früher „Museum der Kriegsverbrechen der Amerikaner und der Marionettenregierung“ und obwohl der Name im Zuge der Verbesserung der amerikanisch-vietnamesischen Beziehungen geändert wurde, liegt auch heute der Fokus der Ausstellung noch deutlich auf den Kriegsverbrechen der Amerikaner.
Trotz der einseitigen und propagandistischen Darstellung lohnen sich die 15.000 VND (0,60 €) und die investierte Zeit.

Im Innenhof kann man neben Militärausrüstung wie Panzer und Hubschrauber auch Folterinstrumente und Bilder mit den Folgen der Folterungen sehen. In sogenannten „tiger cages“ (Tigerkäfigen), die zum Teil nur einen halben Meter hoch und einen Meter breit waren, wurden von den Franzosen und den Südvietnamesen zum Teil mehrere Gefangene gleichzeitig gehalten.
Im Obergeschoss werden die geschichtlichen Ereignisse vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die Gegenwart dargestellt.
In einem anderen Raum werden in sehr schockierenden Bildern die Folgen des Einsatzes des Entlaubungsmittels „Agent Orange“ und anderer chemischer Waffen wir Napalm für Mensch und Natur gezeigt.
Außerdem gibt viele Kriegsbilder vom Schlachtfeld im Andenken an gefallene Kriegsfotografen.

Im Erdgeschoss erinnern Bilder an den weltweiten Protest gegen den amerikanischen Kriegseinsatz.

Ich war überrascht und geschockt, mit welcher Brutalität die Amerikaner vorgegangen waren. Und mir wurde bewusst, wie wenig ich über den Vietnamkrieg wusste und ich beschloss mir ein paar Dokumentationen anzusehen. Sehr empfehlen kann ich die Dokumentationsreihe „Vietnam: Eine bahnbrechende Dokumentation von Ken Bruns und Lynn Novick“ auf Netflix.

Wiedervereinigungspalast

Der Wiedervereinigungspalast oder früher Unabhängigkeitspalast war die Residenz des Präsidenten von Südvietnam während des Vietnamkrieges und der Ort, an dem das Ende des Krieges besiegelt wurde, als ein Panzer der Nordvietnamesischen Volksarmee das Tor durchbrach.

Der Eintritt beträgt 30.000 VND (1,15 €) und die Öffnungszeiten sind von 7:30 – 11:00 Uhr und von 13:00 – 16:00 Uhr. Das war auch der Grund dafür, dass ich ihn nicht besichtigen konnte, denn ich war um 11:30 Uhr dort.
Man kann unter anderem das Präsidentenbüro, ein Gästezimmer und einen Bunker besichtigen, aber was ich aber so gelesen habe, ist es kein „Must-See“.

Notre Dame Kathedrale

Die Notre Dame Kathedrale von Saigon wurde von den Franzosen in den 1880ern mit Materialien aus Frankreich erbaut.

Note Dame Kathedrale in Ho Chi Minh

Hauptpostamt

Gegenüber der Kathedrale befindet sich das Hauptpostamt von Ho Chi Minh. Das Gebäude ist im französischen Kolonialstil erbaut. Der Innenbereich ist schön gestaltet und neben den Postschaltern gibt es auch mehrere Souvenirshops.

Hauptpostamt in Ho Chi Minh

Opernhaus

Das Opernhaus, oder auch Stadttheater, ist ein weiteres Beispiel französischer Kolonialarchitektur. Es wurde 1897 erbaut.

Opernhaus Ho Chi Minh

Das ehemalige Rathaus

Das ehemalige Rathaus ist heute Sitz des vietnamesischen Volkskomitees. Vor dem Gebäude befindet sich ein großer Platz mit einer Statue von Ho Chi Minh.

Ehemalisges Rathaus in Ho Chi Minh

Ben Thanh Market

Der Ben Thanh Market ist eine große Halle, in der Kleidung, Souvenirs, Schmuck, Lebensmittel und vieles mehr verkauft werden. Bei den Preisen muss man auf alle Fälle verhandeln, dann kann man auch das ein oder andere Schnäppchen machen.
Abends wird der Markt draußen vor der Tür durch den Nachtmarkt abgelöst.

Das Backpacker Viertel

Nach dieser Tour musste ich in meinem klimatisierten Zimmer erst einmal ein bisschen abkühlen und entspannen.
Ich wohnte in einer versteckten Seitengasse ganz in der Nähe der Backpacker Meile, der Pham Ngu Lào Straße, im westlichen Teil des District 1.
Hier reihen sich westliche Restaurants, an Coffee Shops, Bars, aus denen schon tagsüber laute Musik schallt, zahllose Massageläden, Hostels, günstige Hotels und Tourveranstalter. Mehrere Dutzend Promoter versuchen auf die neusten Happy Hour Deals aufmerksam zu machen – Reizüberflutung pur.

Backpacker Viertel Ho Chi Minh

Abends ging ich im Royal Saigon Restaurant essen, was ich sehr empfehlen kann.

Essen in Saigon

Tag 51 – Ausflug ins Mekong

Für meinen zweiten Tag in Ho Chi Minh hatte ich einen Ausflug ins Mekong Delta für nur 10 $ (8,80 €) über mein Homestay gebucht. Ich wurde abgeholt und zu einer Straße gebracht, wo schon Massen an Menschen warteten, um auf Busse zu den unterschiedlichen Ausflugszielen verteilt zu werden.

Das Mekong Delta liegt im Südwesten von Vietnam. Der Mekong verzweigt sich in viele kleine einzelne Flüsse und Kanäle, die schließlich ins Südchinesische Meer münden. Von Ho Chin Minh aus sind wir ca. 3 Stunden gefahren.

Unser erstes Ziel lag auf dem Weg und war eine beeindruckende Tempelanlage mit einem riesigen stehenden, einem liegenden und einem sitzenden Buddha. Im Inneren des Tempels konnte man Mönche bei ihrem Mittagessen beobachten. Für viele ein willkommenes Fotomotiv. Ich fand es eigenartig und unangebracht, Bilder von speisenden Mönchen zu schießen und ließ es deshalb.

Tempel im Mekong Delta

Sitzender Buddah

Im Mekong Delta besuchten wir ein Dorf und durften wir einen Tee mit Honig aus eigener Herstellung probieren. Außerdem wurden uns frische Früchte gereicht und wir bekamen eine live Vorstellung einer lokalen Musikgruppe. Für meine Ohren klangen die Töne der Sänger extrem schief, aber scheinbar sehen das die Vietnamesen anders, denn es gab sogar eine CD, die man kaufen konnte.

Mit einem kleinen, traditionellen Boot ging es eine kurze Strecke über einen Arm des Flusses und danach mit einem größeren Boot zu einer Insel, wo wir unser Mittagessen bekamen. Ich hatte die vegetarische Option mit Tofu, Ei, Gemüse und Reis gewählt.

Bootsfahrt im Mekong Delta

Mit dem großen Boot ging es zurück zum Festland und zu unserem Bus, der uns zurück nach Ho Chi Minh brachte.

Tag 52 – Cu Chi Tunnel

Im Tunnel in Chu Chi

Über meine Unterkunft hatte ich auch für den dritten Tag in Ho Chi Minh einen Ausflug gebucht. Für nur 5 $ (4,40 €) ging es zu den Cu Chi Tunnel.
Dieses Mal ging es zwei Stunden Richtung Norden zu den Tunnelanlagen aus dem Vietnamkrieg.
Auf dem Weg dorthin bekamen wir eine interessante Dokureihe über den Fernseher im Bus gezeigt.

Die Vietcong, die kommunistischen Guerillaorganisation, baute ein Tunnelsystem von insgesamt 250 km, um sich vor den Amerikanern zu verstecken und sie zu bekämpfen.
Auf drei Stockwerke verteilt befanden sich Verteidigungsanlagen, Wohn- und Arbeitsräume, Lazarette und Schulen.
Die Vietcong schossen aus Schlitzen im Boden, sodass man nur sehr schwer ausmachen konnte, woher das Feuer überhaupt kam.

Gelände bei den Cu Chi Tunnel

Sogenannte Tunnelratten, freiwillige Amerikaner und Australier, versuchten die Tunnel kriechend zu erschließen und zu sprengen, was sich aber als sehr schwierig herausstellte. Die Eingänge waren nur schwer zu entdecken und mit Fallen aus Bambusspießen gesichert, die Gänge waren für die Größe der Vietnamesen ausgelegt und zum Teil nur 60 cm breit und 80 m hoch und die Vietnamesen waren sehr schnell, wenn es darum ging, die Tunnel wieder aufzubauen oder zu ersetzen.

Tunnel aus dem Vietnamkrieg in Cu Chi

Falle mit Bambusspießen - Cu Chi

Auf dem Gelände sind alte Panzer und ein Flugzeug ausgestellt und es gibt Modelle, an denen man die Tunnelbauweise sehen kann.
Wir durften durch einige Tunnel kriechen und besichtigten ein Lazarett, einen Arbeitsraum und einen Wohnraum.

Ich fand das alles sehr interessant, aber mir war die Führung etwas zu locker für einen Kriegsschauplatz. Es schien so, als wären die Vietnamesen immer noch stolz auf ihr Tunnelsystem und nahezu schadenfroh, dass die Amerikaner es, trotz größter Anstrengungen und schwerer Verluste, nicht geschafft hatten, die Tunnel zu zerstören. Getoppt wurde das Ganze dann noch damit, dass es einen Schießplatz gab und man gegen Gebühr mit scharfer Munition schießen konnte.

Es muss für beide Seiten schrecklich gewesen sein. Für die Vietnamesen, sich über Jahre eingepfercht, ohne Tageslicht in diesen Gängen aufzuhalten und für die Amerikaner bei jedem Schritt Angst haben zu müssen, dass man in eine Falle tritt, oder dass aus dem Hinterhalt geschossen wird, ohne den Feind zu Gesicht zu bekommt. Dem wird meiner Meinung nach zu wenig Respekt gezollt.

Schießscharte im Tunnel von Cu Chi

Bei dem Ausflug war kein Mittagessen inkludiert und dementsprechend hungrig war ich, als wir erst nach 15 Uhr zurück in der Stadt waren. Ich ging wieder in das Royal Saigon Restaurant und hatte eine großartige Vorspeisenplatte.

Vorspeisenplatte Saigon

Bitexco Financial Tower – Saigon Skydeck

Saigon Skydeck

Zum Abschluss meiner Vietnamreise fuhr ich auf die Aussichtsplattform des Bitexco Financial Towers in den 49. Stock und schaute mir den Sonnenuntergang an.

Es gibt ein Café und eine Bar im 50. – 52. Stock, die man kostenlos besuchen kann, wenn man dort etwas bestellt. Ich war zuerst in dem Café und trank dort einen vietnamesischen Kaffee für sage und schreibe 4,90 €. Nachdem ich dort aber keinen sonderlich guten Platz hatte und mich in der schnöseligen Atmosphäre auch nicht wohlfühlte, gönnte ich mir zusätzlich die Fahrt auf das Skydeck für 200.000 VND (7,50 €).
Und ich habe es nicht bereut. Wenn man eine 360°-Sicht haben möchte und in Ruhe ein paar Fotos schießen will, sollte man lieber den separaten Eingang zur Plattform nutzen.

Der Bitexco Financial Tower war übrigens bei seiner Fertigstellung 2010 das höchste Gebäude Vietnams. Mittlerweile ist er auf Platz 5 abgerutscht.

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