Reisebericht Indien – Taj Mahal, Rotes Fort, Baby Taj

Tag 4 – Taj Mahal, Fort Agra und Baby Taj

Taj Mahal – Wie schafft man es, ein Bild alleine, nur mit dem Taj Mahal zu bekommen?


Für mich und alle anderen aus der Gruppe war das Highlight der Tour der Taj Mahal. Um ihn bei Sonnenaufgang und vor den großen Massen zu sehen, hatten wir schon am Vorabend von einem zusätzlichen, spezialisierten Guide, Instruktionen erhalten.
Es gibt zwei Gates, die beide um 6 Uhr ihre Tore öffnen und durch die binnen weniger Minuten hunderte Menschen in die Gärten geschleust werden. Es galt also möglichst die Ersten am Gate zu sein, um alleine ein Bild mit dem Taj Mahal zu bekommen und das Mausoleum ein paar Minuten für uns zu haben.

Dafür gab es einen ausgeklügelten Plan, der folgende Punkte umfasste:

  1. Aufbruch um 4:45 Uhr vom Hotel, sodass wir 15 Minuten später am Gate waren.
  2. Keine Tasche mitnehmen, nur eine Kamera und ein Handy. Alle Größen von Taschen werden separat gescannt und das führt zu weiterer Wartezeit, die wir uns ersparen wollten. Eine Flasche Wasser wird mit den Ticket ausgehändigt.
  3. Auslassen des ersten Viewpoints, da sich dort sofort die Menschen sammeln für ein erstes Bild mit dem Taj. Stattdessen schnellen oder laufenden Schrittes zur sogenannten Lady Di Bank, die sich in etwa auf halber Strecke zum Taj Mahal befindet.
  4. Schießen des erhofften Bildes, ohne Menschen im Hintergrund
  5. Weiter zum Eingang des Mausoleums, um die einzigartige Atmosphäre und Ruhe ohne Menschenmassen zu genießen.

Um den Rest wollten sich unsere Guides kümmern.

Wir alle waren hoch motiviert und zu allem bereit, um diesen Plan voll und ganz zu erfüllen.
Wir standen schon um 4 Uhr auf und machten uns pünktlich auf den Weg zu einem der Gates, um die Ersten in der Schlange zu sein. Der erste Punkt auf der Liste klappte ohne Probleme, erst einige Minuten später trudelten die nächsten Gruppen ein.
Die Tickets besorgten unsere Guides und ließen sie auch gleich schon abstempeln, um weitere wertvolle Sekunden zu sparen. Sie wurden uns gemeinsam mit den Wasserflaschen in der Schlange durchgereicht.
Um kurz vor 6 ging es endlich los, die Tore wurden geöffnet und es wurden weitere Metallabsperrungen implementiert, um die Reihen bis zu den Kontrollen aufrecht zuhalten.
Jeder wurde abgetastet und kontrolliert, bevor wir endlich einen ersten Blick durch das Tor erhaschen konnten.
Und da war er! Überwältigend, einfach nicht in Worte zu fassen. Was ich auf Bildern nie bemerkt habe, sind die unfassbar vielen Wandverzierungen und Details. Die kamen mit den ersten Sonnenstrahlen besonders gut zur Geltung.

Jeder bekam sein Bild vor dem Taj Mahal und dann machten wir uns, ganz wie der Plan es vorgab, schnellen Schrittes auf den Weg zum Mausoleum. Tatsächlich schafften wir es als erste Gruppe, den Raum zu betreten. Unser Guide demonstrierte die Akustik, in dem er sang. Sehr eindrucksvoll.
Nach all der Aufregung und Anspannung war ich nun sehr glücklich und einfach überwältigt von der Größe und Schönheit des Palasts und bereit etwas mehr über die Geschichte dahinter zu erfahren.

Shah Jahan, ein Großmogul Indiens, war mit einer persischen Prinzessin, Mumtaz Mahal, verheiratet, die er sehr liebte. Bei der Geburt ihres 14. Kindes starb sie und nahm ihm am Totenbett drei Versprechen ab:
Er solle gut für ihre gemeinsamen Kinder sorgen, nicht mehr heiraten und ihr ein Grabmal bauen, das die Welt noch nicht gesehen hatte.
So entstand von 1631 bis etwa 1648 der Taj Mahal. Die Legende besagt, dass 1000 Elefanten die wertvollsten Materialien aus ganz Indien herbeigeschafft haben sollen und die besten Handwerker von fernen Ländern geholt worden seien.
Das Gebäude besteht aus dem wertvollsten weißen Marmor der Welt, in den Edelsteine und Halbedelsteine eingearbeitet wurden.
Der Bau trieb das Land beinahe in den Bankrott und führte zu Unruhen und Aufständen, was des Großmoguls Sohn veranlasste zu putschen und seinen Vater für den Rest seines Lebens im Roten Fort unter Hausarrest zu stellen. Shah Jahan, den seine Trauer in den Wahnsinn getrieben hatte, wurde nach seinem Tod neben seiner Frau beigesetzt.

Das Rote Fort von Agra


Die Befestigungsanlage diente den Großmodulen als Palast. Sie wurde unter Akbar dem Großen angefangen zu bauen und später von seinen Nachfolgern erweitert. Das Rote Fort bekam seinen Namen aufgrund des roten Sandsteins, der zum Bau unter Akbar verwendet wurde. Später wurde der Palast mit Marmor erweitert.

Das Itimad-ud-Daula-Mausoleum – der Baby Taj


Zum Sonnenuntergang und Abschluss eines aufregenden und langen Tages haben wir uns dann noch den Baby Taj, wie er liebevoll genannt wird, angeschaut. Das Grabmal entstand vor dem Taj Mahal und wurde von der Hauptfrau des Mogulherrschers Jahangir für ihren Vater gebaut. Meine Empfehlung ist, den Baby Taj vor dem Taj Mahal zu besuchen, da er sicher noch beeindruckender ist, wenn man die Mutter aller Grabmäler noch nicht gesehen hat.

2 Kommentare

  1. Da habt Ihr eine wirklich professionelle Führung gehabt. Gratuliere.
    Die Geschichte vom Taj Mahal ist wahrlich sehr spannend. Wir bewundern heute dieses überwältigende und faszinierende Bauwerk. Bedenkt man den Grund für dieses Mausoleum und zugleich die unmenschlichen Bedingungen für das gesamte Volk, unter denen dieses Monument entstand, ist man umso mehr erstaunt, dass so etwas möglich war. Interessant auch der damalige Zeitgeist in Ost und West. Immerhin herrschte hier das Elend im 30-jährigen Krieg, Ludwig XIV begann seine Feudalherrschaft, René Descartes beeinflusste mit seinem philosophischen und naturwissenschftlichen Denken…
    Wir wünschen Dir weiterhin so erlebnisreiche Begegnungen und wir freuen uns über Deine interessanten Berichte.

    1. Vielen lieben Dank.
      Ja, das stimmt. Und egal, ob Ost oder West, weltliche oder geistlich, die Menschen mussten sehr viel leiden, damit wir heute diese überwältigenden Bauwerke bestaunen dürfen.

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